"Metal matters - Heavy Metal als Kultur und Welt"

Die interdisziplinäre Tagung am 3. bis 5. Juni 2010 an der HBK Braunschweig, organisiert von Rolf F. Nohr und Herbert Schwaab

Anfang Juni 2010 hat die Tagung "Metal matters - Heavy Metal als Kultur und Welt" in Braunschweig versucht, eine Leerstelle der Kultur- und Medienwissenschaft mit auszufüllen und die Komplexität des Phänomens Metal herauszustellen. Dieser Blog bündelt die Perspektiven der Konferenz und versucht den dort interdisziplinär zusammengeführten Strom aus Ideen, Projekten und Perspektiven vorläufig fortzuführen.

Posts mit dem Label Rezension werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Rezension werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 8. August 2013

Rezension Hard Wired

...und nochmal eine Rezension zur Hard Wired-Tagung in Wien auf empress metal von Jan Leichsenring.

Dienstag, 5. März 2013

Rezension

...und noch eine Rezension. Und zwar in Medienwissenschaft. Rezensionen, Reviews (01/2013, S.57-60).  Incl. dem Hinweis auf einen superpeinlichen Rechtschreibfehler...

"Eine Lücke im Populärdiskurs zu schließen ist laut Klappentext das erklärte Ziel der vorliegenden Herausgeberschrift. Dabei mag sich der Eine oder Andere nach dem Mehrwert eines bewusst medien-, bzw. kulturwissenschaftlichen und eben nicht musikwissenenschaftlichen Bandes zur Heavy-Metal-Szene fragen. Die möglichen Bedenken können die Herausgeber schon im Vorwort entkräften: "Im Gegensatz zum Film [ ... ] oder dem Fernsehen [ ... ] stellen Rockmusik und Heavy Metal im Besonderen ihre Medialität und vor allem ihre Medientechnologie überdeutlich aus, verweisen auf den Apparat, der Musik und Performance möglich werden lässt - in den Aufbauten, den Marschalltürmen [sie], den Musikinstrumenten, den Lichtanlagen, den Angaben der Watt und Phonstärken, mit denen Konzerte beworben werden." (S.15) Heavy Metal wäre ohne die zur Schau gestellten Medientechnologien einerseits, ohne spezifische Inszenierungsstrategien und Zeichensysteme andererseits also überhaupt nicht möglich. Aus diesem Grund können gerade die Beiträge als besonders gelungen betrachtet wären, die sich mit diesen deutlich  medienwissenschaftlich ausgerichteten Fragestellungen beschäftigen. Die meisten von ihnen :finden sich
im ersten Teil, der mit "Ästhetik, Codes, Ethnografie" überschrieben ist. Hier beschäftigt sich unter anderemJulia Eckcl mit Typografie, Anordnung und Gestaltung von sogenannten ,Kutten', wichtigen Kleidungsutensilien in der Heavy-Metal-Kultur und deren Abgrenzung in Bezug auf andere Szenen, wie
der Hip-Hop und Techno-Szene. Dabei kann sie ihre These durchaus glaubhaft machen, dass die Heavy-Metal-Kultur eine besondere Affinität gerade zu bildliehen, bzw. figürlichen Darstellungen hat (Vgl. S.67). Anschließend daran folgt ein Beitrag von Rainer Zurch zur Covergestaltung von einschlägigen  CD Veröffentlichungen. Dies erfolgt in erster Linie in Form von exemplarischen Analysen einzelner Covermotive unterschiedlicher Subgenres. Dabei wird deutlich, dass Metal eben nicht gleich ,Metal' ist und die verwendeten Zeichen jeweils in ihren Kontexten betrachtet werden müssen. (S.83f) Ebenfalls erwähnenswert ist der Beitrag von Florian Krautkrämer und Jörg Petri, die einen.;Abgleich der Metal Typografie mit der Asthetik des HorrorFilms wagen, sowie der von Tomislava Kosic, der typische Heavy-Metal Zeichen, wie die sogenannte ,Pommesgabel' (der herausgestreckte Kleine Finger & Zeigefinger), als identitätsstiftende Symbole unter kulturhistorischer Perspektive nach der dichten Beschreibung von Clifford Geertz betrachtet (Vgl. S.109ff). Der zweite Teil des Bandes nimmt eine vermehrt musikwissenschaftliehe Sichtweise ein. So beschäftigen sich unter anderem Dietroar Elftein und Daniel Kernehen in zwei Beiträgen mit jeweils anderen Aspekten der Virtuosität, während Marco Lehmann und Reinhard Kopiez die Bühnenshow von Rockgitarristen in Bezug auf ihre Rezeption als ,Ausnahmekünstler' fokussieren und Dietmar Elflein die spezifische Klangästhetik des Heavy Metal untersucht. Ebenfalls lesenswert, wenn auch möglicherweise eher aus essayistischer, denn wissenschaftlicher Sicht, ist der Beitrag von Mathias Mertens, der - leider nicht durch Zwischenüberschriften strukturiert - seine "Medienästbetischen Überlegungen zur Luftgitarre" zur Diskussion stellt. Dabei kann er überzeugend darlegen, dass die ,Luftgitarre' mehr ist, als nur eine prosaische Metapher für ,Unvermögen', "denn die Luftgitarre ist weder auf nichts bezogen, noch steht sie für sich allein." (S.226) Weshalb der Beitrag auf Grund der Herausstellung dieses zeichenhaften Charakters nicht im ersten Teil des Bandes Platz gefunden hat, erschließt sich indes nicht.
Was in einigen Aufsätzen bereits mehrfach anklang, wird im dritten Teil des Buches unter der Überschrift
"Mctal vs. Moderne" noch einmal in den Fokus gerückt. Der bewusste Rückbezug im Heavy Meta! und verwandter (Sub-)Genres zur sogenannten Vormoderne, vor allem zum Mittelalter und nordischer, bzw. heidnischer Mythologie wird unter anderem in den Beiträgen von Sascha Pöhlmann und Jan Leichsenring deutlich. Pöhlmann sieht in bestimmten amerikanischen BlackMetal-Formationen sogar eine "Fortsetzung der Romantik mit anderen Mitteln." (S.265) Argumente für diese These werden in dem Beitrag durchaus glaubhaft gemacht, scheinen insgesamt allerdings etwas einseitig zu sein und möglicherweise zu sehr dem zu entsprechen, wie sich einzelne Musiker selbst gerne darstellen. Alternativ ließe sich beispielsweise die Frage diskutieren, was zeitgenössische Black-Metal-Bands aus einem Fundus von Motiven machen, die zwar durchaus beispielsweise der Romantik entlehnt sein könnten, aber in der zeitgenössischen Musik zu etwas dezidiert Neuern verarbeitet werden.
Angenehm ist deshalb, dass insbesondere RolfF. Nohr in seinem Beitrag über "Metal als transmoderne Sinnstiftung" auch nicht vergisst, zu erwähnen, dass HeavyMetal ohne die Versprechen und Errungenschaften der sogenannten Moderne gar nicht möglich wäre, beziehungsweise sogar ,postmodern' gebrochen,
ironisiert oder überformt werden kann: "[Es] soll davon ausgegangen werden, dass das Phänomen Metal
[ ... ] durchaus geprägt ist von einem hohen Maß an formalen und inhaltlichen Inkonsistenzen, durch Brüche
und sprunghafte Verschiebungen, von einer (Selbst-) Ironisierungsfahigkeit [ ... ] und einer variablen eigenständigen ästhetischen Praxis." (S.308) Problematischer stellt sich der vierte Teil dar, der mit dem Modewort "GlocalMetal" überschrieben ist. Wer nun eine im weitesten Sinne netzwerktheoretische Perspektive erwartet, wird leider über weite Strecken enttäuscht. Statt dessen fokussieren die einzelnen Beiträge von Franz Sz. Horvath,Andre Epp, Christian Krumm und Carotine Fricke für sich genommen durchaus interessante Einblicke in die lokalen Ausprägungen der MetalSzene in Ungarn, Staaten der sogenannten MENA (Mittlerer Osten und islamisch geprägtes Afrika), der ehemaligen DDR und im deutschen Ruhrgebiet. Tiefere theoretische Überlegungen zum Netzwerkbegriff bleiben dabei leider außen vor und werden nur in einem kurzen Beitrag von Imke von Helden nachgereicht, die zumindest einige Schlüsselbegriffe wie Hybridität einführt, um sich dann allerdings wiederum nur auf eine Hand voll exemplarisch ausgewählter Bands zu beschränken, anstatt das vorgeschlagene Konzept als theoretisches Modell weiter auszuführen. (Vgl. S.379ff).
Der abschließende Teil "Politik und Kultur des Heavy Metal" liest sich wie eine eher willkürliche Zusammenstellung von Beiträgen, die sich nicht ohne weiteres in die vorherigen Kategorien eingliedern ließen. Zu erwähnen ist vor allem der Aufsatz von Manuel Trummer, der sich noch einmal ausführlicher mit religiösen, spirituellen und okkulten Aspekten beschäftigt. Der abschließende Aufsatz von Tobias Winnerling betrachtet das ,HeavyMetal Universum' aus einer etwas weiteren Perspektive und stellt damit auch ein durchaus gelungenes Fazit für das ganze Buch dar: ,,Heavy Metal lässt sich beliebig ideologisch aufladen, kann also als Trägermedium für ideologisch-politische Inhalte jeder Couleur dienen, seien das nun linsgerichtete oder linksradikale, eskapistische, gesellschaftskritische, christliche oder satanistisch-okkulte, ökologische, oder auch antimodernistische oder rechtsradikale." (S.472) Noch einmal wird also die Heterogenität der Heavy-Metal-Szene deutlich, sowohl auf musikalischer, zeichentheoretischer, als auch inhaltlicher Bedeutungsebene.
Fraglich bleibt bei dieser Diversität, warum der Klappentext noch behauptet: "HeavyMetal gehört zu den stabilsten und homogensten kulturellen Formationen der letzten Jahrzehnte." Dennoch kann der vorliegende Band als durchaus gelungene Zusammenschau eines bislang wenig erforschten Bereichs in der Populärkultur verstanden werden. Beiträge, die die Heavy-Metal-Kultur aus einer weiter gefassten Perspektive betrachten, wechseln sich mit solchen ab, die sich konkret auf einzelne Phänomene beschränken {wie der über die Geschichte der Band Kiss von Sascha Seiler, bzw. der über Grindcore von Andreas Salmhofer. Auch wenn sich einige Aufsätze damit begnügen, in der Szene als ,bekannt vorauszusetzendes' Wissen noch einmal theoretisch zu bündeln, ergeben sich damit immerhin zahlreiche Ansatzpunkte für weitere Forschungen. Es sollte dabei aber nicht verschwiegen werden, dass man sich möglicherweise überhaupt nur in dem teils recht komplizierten Netz aus Bandnamen, Subgenres und typischen Genrezeichen zurecht findet, wenn man im Vorfeld zumindest einigermaßen mit ihnen vertraut ist."
Felix Liedel (Marburg)

Sammelrezension Metal Studies

Dominik Irtenkauf hat auf textem eine sehr lesenswerte Sammelrezension zu verschiedenen einschlägigen Veröffentlichungen vorgelegt - bei denen einige alte Bekannte auch eine Rolle spielen. Schwerpunktmäßig geht es um Jan Grünwalds Bildinszenierungen archaischer Männlichkeiten im Black Metal, Manuel Trummers Sympathy for the Devil?. Transformationen und Erscheinungsformen der Traditionsfigur Teufel in der Rockmusik, Reto Wehrlis Verteufelter Heavy Metal. Skandale und Zensur in der neueren Musikgeschichte  - und (*Tusch*) um einen marginalen Sammelband names Metal Matters. Heavy Metal als Kultur und Welt.

Montag, 10. Dezember 2012

Rezensionen

Rezesionen zu aktuellen Metal-Studies-Titel gibt es in der aktuellen SAMPLES-Ausgabe (11).
Sarah Chaker bespricht Turkish Metal. Music, Meaning, and Morality in a Muslim Society von Pierre Hecker und  Dietmar Elflein Heavy Metal Studies. Band I: Lyrics and Intertextualität hg. von Roman Bartosch.

Montag, 19. November 2012

Das Buch mit dem Stabreim-Titel

Schöne Rezension von Anna Wandschneider zu Pierre Heckers: Turkish Metal – Music, Meaning, and Morality in a Muslim Society  (Burlington: Ashgate 2012)  im Empress Metal Magazine.

Freitag, 17. August 2012

Krebsgang vor Berggletscher. Jan Grünwalds "Male Spaces. Bildinszenierungen archaischer Männlichkeiten im Black Metal".

Es beginnt – für ein Buch über archaische Männlichkeit im Black Metal durchaus sinnfällig – mit dem Eisenhans, dem den Gebrüdern Grimm entlehnten Sinnbild einer mythopoetischen Männerbewegung.  Gegenstand der Dissertation von Jan Grünwald sind Inszenierungspraktiken und Repräsentationsmodi einer spezifischen (Hyper-) Maskulinität, die sich im symbolischen Repertoire des Metal entfaltet. Die Frage ist also, ob der „Wilde Mann“ des Grimmschen Märchens (und des reichlich muffigen Buches von Robert Bly) etwas zu tun hat mit nietenbesetzten, axtschwingenden, corpspaint-tragenden Norwegern? Das Buch geht dieser Frage (methodisch vor allem Anhand einer großen Zahl von einschlägigen Videoclips) in vier Schritten nach: nach einer vorläufigen Definition von archaischer Männlichkeit widmet es sich zunächst der Frage des Raumes, in dem sich eine solche Männlichkeit entfalten kann, setzt dieses Double von Räumen und Inszenierungen in den Kontext eines spezifischen „Authentizitätsbegriffs“ um dann zu einer Bewertung zu kommen. Irgendwo zwischen Deleuzianischem Werden, Bergfilmen, brennenden Stabkirchen und trueness entsteht also eine archaische Männlichkeit im Black Metal, die, so der Klappentext, so „maßlos übertrieben“ ist, dass sie „Bruch und Distanzierung“ zulässt.
Was genau umfasst aber der Begriff der archaischen Männlichkeit? Das Buch begreift Männlichkeit doppelt ambivalent: als Teil einer Dominanz- wie einer Gegenkultur; und als Erinnerung an eine Vergangenheit, die so nie Gegenwart war (S. 54). Das greift gut: ein übliches Manowar-Cover kann somit gleichzeitig als chauvinistisch wie subversiv markiert werden; und als ein Regress in eine Zeit, in der Männer noch Männer waren, und die es so nie gegeben hat. „Der Begriff des Archaischen deutet nur den Wunsch nach Konstanz und Rückgewandtheit an, ist jedoch immer einem (geschichtslosen) Prozess unterworfen: sich im Außerhalb zu positionieren. Dieser Wille zur Differenz setzt dabei voraus, sich im Innerhalb auszukennen, um sich relational dazu zu positionieren. Die Relationalität der archaischen Männlichkeit zur Gegenwart ist Teil ihres Werdens“ (S.57). Archaische Männlichkeit wird bei Grünwald so zu einem als „re-enactment“ (S.59) einer fiktionale Hyper-Maskulinisierung, die sich  vor allem in Repräsentationen, Bildern und fiktionale Settings niederschlägt. Rollenspiele eben. „Repräsentation von Männlichkeit ist nie Männlichkeit selbst“ (S.59) – die Repräsentation von Männlichkeit ist zum anderen dann auch eine Inszenierungspraktik von Prototypen.
Die Analysen dieser Inszenierungen und Repräsentationen bilden dann auch konsequent der Hauptteil des Buchs. Leitidee dabei ist, dass diese Inszenierungspraktiken des Black Metal-Manns sich nicht auf einer beliebigen Bühne entfalten, sondern in einem (Natur-) Raum. Die Kapitel drei bis sechs entfalten dabei (wesentlich durch die Arbeiten der Soziologien Martina Löw inspiriert) eine Art Taxonomie solcher Inszenierungs-Topologien. Hier liest sich das Buch am besten, wenn man gleichzeitig die Vielzahl der analysierten Videos parallel betrachten kann. Jan Grünwald etabliert hier einen Begriff des (ideologischen) Naturraums, heterotoper Räume, filmischer Räume – eine Reihe produzierter Topologien, die in je unterschiedlicher Weise daran beteiligt sind, die Inszenierungspraktiken archaischer Männlichkeit herauszutreiben, zu evozieren, zu konterkarieren, zu transgressieren usf. Dieser Teil ist zwar schon der ausführlichste des Buches – dennoch würde ich mir gerade hier an mancher Stelle noch mehr Ausführlichkeit wünschen: das (bei Foucault entliehene) Konzept der Heterotopie ist vielversprechend, lässt sich aber gerade in Bezug auf seien Relation zur Utopie sicherlich noch ausbauen; das Konzept des Naturraums wirft die Frage nach dem Begriff des „Natürlichen“ auf; die Diskussion des Filmraums kann nur an der Oberfläche dessen kratzen, was die Filmwissenschaft zum Thema zusammen getragen hat; die Ästhetische Theorie (das Erhabene!) könnte auch noch viel beitragen… Aber natürlich bedeutet das nicht, dass die Argumentation hier nicht aufgeht – das Material wirft nur noch viel mehr Fragen auf, als es Jan Grünwald gelingt zu beantworten. Was nicht gegen Jan, sondern für das Material spricht. Wer sich in schneller Folge Immortals „Grim and Frostbitten Kingdom“, Burzums „Dunkelheit“ und dann ggf. noch Laibachs „Life is Life“-Version ansieht, dann noch ein wenig auf Bergmetal surft  bekommt einen Eindruck davon, wie weit gefasst, komplex und diskursiv dicht das Geflecht aus Räume und Inszenierungen ist, dass zur Konstitution archaischer Männlickeit zusammen findet. Das ganze kulminiert in der Darstellung des Buches im Begriff des Baudrillardschen Simulakra (S.149)
Das – meines Erachtens – allerdings pointierteste Argument stellt sich im Kapitel 8 „Ereignisraum“ ein: hier macht das Buch eine guten Vorschlag, wie das „Simulakrum“ die nötige Schwere und „Echtheitsanmutung“ erlangt, die für seine Effektivität nötig sind. Es ist die Rückbindung an die Gründungsmythen des norwegischen Black Metals, die gebetsmühlenartige vorgetragene Authentifizierung des eigenen (Inszenierungs-)Tuns durch den Verweis auf Mord, Totschlag, Brandstiftung und Suizid. Die Männlichkeit des Black Metals konstituiert sich über „trueness“; aber eine trueness, die nicht behauptet oder ausgekämpft werden muss, sondern sich (ähnlich der „realness“ im HipHop (S.191)) durch die Faktizität von Ereignissen einstellt. "Im Ereignis, welches das Subjekt hervorbringt, bzw. transformiert, liegt eine universelle Singularität, die als authentischer Moment beschrieben werden kann. Deswegen ist die Rückbindung auf ein Ereignis so wichtig, weil darin etwas liegt, das mehr ist als Repräsentation: ein Mord kann stattgefunden haben oder Mythos sein, der Ablauf des Tötungsaktes kann verherrlicht oder herunter gespielt werden – das Bekennen zum Ereignis des Mordes bleibt aber bestehen“ (S.189f).  Und genau hier, in der Ambivalenz von Zulassen und Zurückweisen entsteht der Raum einer merkwürdigen Aufladung, der Abbaths Krebsgang vor Berggletscher als Inszenierungspraxis von Männlichkeit erkennbar werden lässt, die ihre Hypermaskulinität einerseits der Anbindung an das Ereignishafte eines Mordes  verdankt – Verantwortung aber zurückweist, da das Einverständnis aller in den Inszenierungsmoment mitgedacht ist: „Das heißt, auch wenn die Inszenierungspraxen des Black Metal als eine Stilwelt innerhalb anderer Stile verstanden werden müssen, so ist es doch von enormer Wichtigkeit, diese selbstreflexive Ebene nicht zuzulassen, um Authentizität zu erlangen." (S.190)
Bruch und Distanzierung der Männlichkeit im Black Metal sind also gar nicht so sehr Momente der Überidentifikation (S. 211) oder der (Selbst-) Ironisierung – es sind vielmehr die Momente, in denen Männlichkeit gerade in ihrer Übertreibung sichtbar und damit trangressiv wird: „men over-act and men disapear“ (S. 197).

Grünwald, Jan G. (2012): Male Spaces. Bildinszenierungen archaischer Männlichkeiten im Black Metal. 1. Aufl. Frankfurt am Main: Campus Verlag (Reihe: Sozialwissenschaften). ISBN 978-3-593-39645-3, 34,90 €

Postscriptum: Eine Rezension des Buchs von Erika  Becker (powermetal.de) findet sich übrigens hier.

Dienstag, 29. Mai 2012

Rezension & 2.Auflage

Pünktlich zur Auslieferung der zweiten Auflage von "Metal Matters" erscheint eben eine sehr wohlwollende Rezension in rezensionen:kommunikation:medien - gut, dass die zweite Auflage eine unveränderte Auflage ist...

Mittwoch, 23. Mai 2012

Hard Wired-Symposium


Die Institutionalisierung der Metal Studies sind ein Projekt, dass Hand in Hand geht mit der Nobilitierung des Gegenstandes für die wissenschaftliche  Praxis - und umgekehrt. Das zumindest könnte eine Quintessenz des Hard Wired–Workshops sein, der Mitte April in Zürich stattgefunden hat.
Der Schwerpunkt des Workshops lag auf der Diskussion methodologischer Fragestellungen. Und als Fazit könnte hier postuliert sein, dass die Methoden so bunt und vielgestallt sind, wie der Metal selbst. Und das ist gut so: genauso wenig, wie wir je herausfinden werden, was denn nun wirklich der einzig wahre & true Metal ist wir es wohl je eine vereinheitlichte Feldtheorie der Metal-Studies geben. Was gut so ist.
Eine schöne Tagungsbesprechung, die die einzelnen Beiträge und Diskussionen nachzeichnet findet sich auf dem Avantgarde Metal Blog. An dieser Stelle als Ergänzung nur noch das „Ergebnis-Protokoll“ der diskutierten organisatorischen Schritte.
Der Workshop soll in schriftlicher Form dokumentiert werden. Florian Heesch und Anna- Katharina Höpflinger haben sich der Aufgabe angenommen dies zu organisieren. Dabei ist es den beiden HerausgeberInnen wichtig, dass die Artikel den Fokus konsequent auf die Diskussion der Methode legen und diese auch für ein transdisziplinäres akademisches Publikum nachvollziehbar darlegen. Die Artikel sollen bis Ende September 2012 eingereicht werden. Selbstverständlich ist der Band auch offen für Beiträge von Teilnehmenden, die am Hard Wired keinen Vortrag gehalten haben. In diesem Fall bitten die beiden um einen Arbeitstitel und ein kurzes Abstract bis Ende Mai 2012 an a.hoepflinger@access.uzh.ch.
Zur weiteren Zusammenarbeit wurde vereinbart, dass es nächstes Jahr einen weiteren, thematisch klar fokussierten Hard Wired-Workshop geben soll. Dieser wird in Wien stattfinden und von Sarah Chaker organisiert werden. Im Jahr darauf wir es dann ­­eine Wiederauflage von Metal Matters geben! Als erster Vorschlag steht jetzt eine große Tagung für den Sommer 2014 im Raum in Regensburg im Raum, Herbert Schwaab und Manuel Trummer fungieren hierfür als Verantwortliche.

Als Fazit also: ein anregender Workshop, ein Buch, ein Workshop, eine Konferenz; spannende Vorträge, laute Musik, angenehme Atmosphäre, Bier schmeckt auch in Zürich, und Metal ist nicht tot zu kriegen...

Mittwoch, 25. April 2012

Vom Rezensionswesen

Erinnern wir uns unserer Jugend. Einstmals gab es eine Zeitung, die da genannt wurde „Die Schbex“ (wenn man bspw. in Süddeutschland groß geworden ist). Die Spex hat den Pop erfunden, die cultural studies importiert und akademiefähig gemacht, zum ersten Mal auf Deutsch über Madonna geschrieben und armen pubertierenden Würstchen klar gemacht, dass Musik ohne Theorie und Haltung irgendwie nur Kopfnicken zu Industrieprodukten ist.  Kurz und gut: Spex und (Heavy) Metal – das ging sich nicht zusammen.
Umso bemerkenswerter erscheint es nun, beim Blättern in alten Ausgaben auf Metal-Rezensionen zu stoßen. Ganz konkret: die Nummer 12/1999 u. 1/2000 versammelt unter der – Spex-üblichen zurückhaltend formulierten –  Überschrift „Das letzte Wort“ milleniums-motiviert „Die 100 Platten des Jahrhunderts“. Und wer hat es sogar bei der Spex geschafft? Slayer (Platz12) & Metallica (Platz 34)! Horns up. Der vollständigen Dokumentation ist aber vor allem die Schreibe der Rezensionen wert:   

Slayer - Reign in Blood
Wie alle Teens interessierten wir uns für nicht viel, was schon vor uns dagewesen war, ausgenommen Kommunismus, die beiden Weltkriege, Hurerei als Kunstform im alten Rom, Brontosaurier, Heavy Metal und die Atombombe. Dann kam diese Platte und gab uns recht. Da barsten Basaltsäulen, Clara Drechsler schrieb den besten SPEX-Artikel aller Zeiten, das Intro bzw. Outro des Titelstücks ließ die Teenagerlibido als Kriechrieseln auf den Oberarmen zu sich selbst kommen, Dehnungs- und Zugrisse in Gitarrensoli trieben das Klangmaterial bis zum Sprödbruch auf die Spitze, die Texte sprachen in chilenischassyrischem Ghoul-Englisch von blinden und stummen Männern und Weibern in zerfetzten Gewändern, die da bestraft wurden für gar nichts mit Schmerz, mit Aufhängen und vielen Wunden, politisch war's ganz große Scheiße, aber wer DAS nicht erlebt, geliebt, verehrt hat, soll sich eine Hirtenflöte in den Darmausgang rammen und die eigene Zunge zerkauen. Sinnloser Hass auf alles: ein GANZ wichtiger Ausgangspunkt für jeden normalen Menschen im 20. Jahrhundert.
(Dietmar Dath)


Metallica - Master Of Puppets
Phil Asher und mein Cousin sind sich in einem Punkt einig: wir leben in einer »Karaoke-Ära«.
Nur dass der geschmäcklerische Brite über Tanzmusik spricht, Ingo der Heizungsbauer über Metallica. Aber beide wissen verdammt genau, wovon sie reden. Mit kalten Kategorien wie Geschmack hatten Metallica nie wirklich was zu tun. Das geht sogar so weit, dass selbst ein Niels Ruf sich heute nicht so recht öffentlich dazu bekennen mag. Dabei gehört die Band, die sich von einem Schlagzeuger, der - laut Uwe, und der muss es wissen - sein Handwerk nicht beherrscht, ihre MORThrash-Epen schreiben lässt, was für Aufwachsen einer mittelmäßigen weißen westlichen Existenz ähnlich viel bedeutet wie ›Playboy‹-Centrefolds und missglückter Ladendiebstahl. »MOP«, wie wir alternden Kuttenträger dies Machwerk auch gerne nennen, brachte das System Metallica auf den Punkt. Das Gröhlen der Misfits, das Bratzen von Black Sabbath, das Gaspedal runter und die Wirklich-böse-Buben-Nummer Hannemann-King-Araya-Lombardo überlassen. Autoscooter-Hooliganism, der nach diesem Erscheinen fortan leider ohne den tragisch verunglückten Bassisten Cliff Burton auskommen musste. Ein Bruch, von dem sich die Buben aus der Bay Area nie wirklich erholen sollten.
(Torsten Schmidt)


Am Ende des Tages also müssen wir uns fragen: was war das denn? Fand das mal jemand gut? Tot des Autors, Gonzo-Journalismus, Ende der Unschuld und der Hierarchie – alles schön und gut. Aber geht’s denn auch  `ne Nummer kleiner? Oder – wie es Dominik Irtenkauf letzthin so schön formuliert hat: ‚Warum kennt der Metal keine poptheoretischen Zeitschriften, in denen er nicht wie in der Spex nur ein Zaungast ist?‘
 

Donnerstag, 23. Februar 2012

Mittwoch, 21. Dezember 2011

Rezension "Metal matters"

Thor Wanzek war so freundlich unser kleines Metall-Buch zu rezensieren - und das wohlmeinend und lobend. Und noch dazu im "Journal der Jugendkulturen" (S. 146-149). Das ganze Heft (in dem zudem noch ein schöner Text zur "Konstruktion 'weißer' Männlichkeit im Industrial und Black/Pagan Metal" ist) kann bis Silvester kostenlos (!) hier runtergeladen werden.

Mittwoch, 5. Oktober 2011

400 Seiten hohes Niveau...

...sagt der Metal Mirror. Über das Buch. Auf Seite 20. Hier.
Wir sagen: Danke für die Blumen.

Montag, 19. September 2011

Powermetal.de über "Metal Matters - das Buch"

Erika Becker gibt uns "Daumen hoch" in ihrem Beitrag "Metal Matters - ab in die Forschung"
Yeah thanx! Und weil sie die erste Rezensentin ist, gibts für sie ein "early bird reviewer beer" gratis auf der Buch-Präsentation (weitere Infos dazu demnächst)