Wer hat sich das nicht schon auf einem Festival gefragt: warum hält der Idiot neben mir die ganze Zeit einen aufblasbaren Flamingo in die Höhe?
Einfacher Antwort:
"Im Netz nennt man sie „Festival-Totems“. Ein guter Name. Denn als Totem bezeichnete der Ethnologie Claude Lévi-Strauss das Symbol einer Gruppe – und tatsächlich sind die meist mit viel Zeit und Mühe gestalteten Festival-Maskottchen längst zu Gruppenabzeichen geworden, die sagen: „Unter diesem Objekt sind wir als Clan vereint.“ Wie eine Art Wappentier bekommen die Totems von ihren Jüngern einen Namen und eine Persönlichkeit zugedacht. Und wachen als Schutzgeister über die Freunde, die unter freiem Himmel feiern."
Macht Sinn.
Lasst es aber nicht Manowar wissen.
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Dienstag, 7. Juli 2015
Festival-Ethnologie
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Montag, 28. Januar 2013
Veröffentlichung: "Männer mit Äxten"
Ein kleiner Publikationshinweis zwischendurch: In KulturPoetik: Zeitschrift für kulturgeschichtliche Literaturwissenschaft Band 12.2 (2012) ist der empfehlenswerte Essay "Männer mit Äxten: Heroismus in der Populärkultur, das Imaginäre und Hard Rock. Ein Versuch" von Jan Mohr (jan.mohr@germanistik.uni-muenchen.de) erschienen.
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Publikation
Freitag, 6. Juli 2012
Festival-Saison läuft auf Hochtouren
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Dienstag, 9. August 2011
Heavy Metal Farmer
"Auffällig ist der starke Naturbezug, der Anfang der 1990er Jahre ein Novum nicht nur in der Metal-Subkultur war und heute zu den Klischees des Düstermetals gehört: Kaum eine Black Metal-Band, die sich für ihre Bandfotos nicht schon einmal im heimischen Wald ablichten ließ; Legion ist die Zahl der Bands, die Naturmotive in die visuelle Gestaltung ihrer Veröffentlichungen einbeziehen. Wird hingegen im Black Metal und in angrenzenden Stilen die Stadt thematisiert – was nur sehr selten der Fall ist –, dann vor allem als ein Ort menschlichen Niedergangs, als ein ›apokalyptisches Babylon‹ des Verfalls und der Sinnleere"
Leichsenring, Jan (2011): »Wir fordern das Unmögliche.« Zur Formulierung und Funktion antimoderner Topoi in einigen Metal-Subgenres. In: Rolf F. Nohr / Herbert Schwaab (Hg.): Metal Matters. Heavy Metal als Kultur und Welt. Münster. Lit, S.291-306; hier: 293
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Donnerstag, 10. März 2011
Guttenberg will zum Abschied Deep Purple hören
Smoke on the Water, intoniert vom Stabsmusikorps beim großen Zapfenstreich zum Abschied von KTzG. Man fragt sich, was Blackmore, Gillian et. al. weniger verdient haben - die Schnädderedeng-Version ihres Gassenhauers oder auf der Tracklist des Freiherrens zu stehen.
Andererseits: "... [he] ended up at the Grand Hotel. It was empty cold and bare"
Andererseits: "... [he] ended up at the Grand Hotel. It was empty cold and bare"
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Mittwoch, 19. Januar 2011
Black Sabbath (arranged for ukulele)
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Montag, 16. August 2010
"Das Ornament der Masse"
"Mit den Tillergirls hat es begonnen. Diese Produkte der amerikanischen Zerstreuungsfabriken sind keine einzelnen Mädchen mehr, sondern unauflösliche Mädchenkomplexe, deren Bewegungen mathematische Demonstrationen sind. Während sie sich in den Revuen zu Figuren verdichten, ereignen sich auf australischem und indischen Boden, von Amerika zu schweigen, in immer demselben dichtgefüllten Stadion Darbietungen von gleicher geometrischer Genauigkeit. Das kleinste Örtchen, in das sie noch gar nicht gedrungen sind, wird durch die Filmwochenschau über sie unterrichtet. Ein Blick auf die Leinwand belehrt, dass die Ornamente aus Tausenden von Körpern bestehen, Körpern in Badehosen ohne Geschlecht. Der Regelmäßigkeit ihrer Muster jubelt die durch die Tribünen gegliederte Menge zu."
(Siegfried Kracauer, Das Ornament der Masse, Frankfurt am Main 1977, 50-63)
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Freitag, 9. Juli 2010
Die unbeherrschte Pose: Missglückter Metal der 1980er Jahre
Die Band Trance, die sich später aufgrund von Problemen mit ihrem Management in Trancemission umbenennen mussten, sind ein gutes Beispiel für die von der Tagungsbeschreibung behauptete Randständigkeit und Künstlichkeit von Metal. In der Tagung selbst hat dieser Gedanke dann doch keine so große Rolle gespielt, daher soll hier ein Beispiel nachgereicht werden. Trance kommen aus einer kleinen Stadt in der Südpfalz und standen trotz ihre provinziellen Herkunft in den 1980er Jahren kurz davor, den Durchbruch zu schaffen, angeblich eben so groß zu werden wie die Scorpions, dessen Manager sie dann kurzzeitig hatten. Ihr Sänger und Gitarrist galt als großer Virtuose mit professioneller Ausbildung und lebt noch heute von Auftritten, entweder mit seiner alten Heavy Metal Band oder als singender Clown für Veranstaltungen in Kindergärten. Eine Ästhetik des 'make believe', des Versuchs, etwas zu verkörpern und zu spielen und uns glauben zu machen, harte, für die Freiheit um der Freiheit willen kämpfende Menschen zu sein, zeigt sich in diesem Video. Dieses Posenhafte bestimmte und bestimmt schon immer viele Formen des Metal, vor allem den Hair Metal oder auch den True Metal. Das Vorspielen einer bestimmten Identität, die Macht, Potenz, Hedonismus, Freiheit verkörpert, stellt die Essenz früher Formen des Metal dar und mag heute etwas zurückgedrängt worden sein. Das lässt sich sehr gut an diesem Video festmachen. Die Kleidung stimmt, die Gesten sind bekannt, die Musik gilt unter Puristen als besonders gute Variante echten, klassischen Metals. Aber irgendetwas, sogar besonders viel, stimmt nicht an dem Video zu dem Song "Break the Chains". Die Inszenierung kippt immer wieder unfreiwillig ins Lächerliche, es ist nicht so leicht diese Posen zu beherrschen. Die wichtigste Pose des 1980er Metals ist, während des Gitarrenspiels immer wieder für kurze Momente gönnerhaft mit dem Zeigefinger auf das (hier imaginäre) Publikum zu deuten (meiner Erinnerung nach bestand die Bühnenshow eines Gitarristen der Band Ratt 1987 aus nichts anderem als dieser Geste). Selbst diese einfache Geste misslingt hier. Der Sänger und Gitarrist gerät aus dem Takt der Playbackeinspielung und findet mit seinen Finger nicht mehr schnell genug zu den Saiten zurück. Auch die alternative Variante, immer wieder die Faust zu ballen und den Arm zu schwingen, missglückt. In einem anderen Moment, als die Hand Richtung Kopf geht, fällt ihm in der Schnelle keine Geste ein und er tippt lasziv und schüchtern grinsend mit dem Finger auf seinen Mund, sicher nicht das, was geplant war. Auch der Sologesang am Anfang bewegt sich an der Grenze zur Peinlichkeit, aber der Mut ist zu bewundern, den Song auf diese Weise zu beginnen. Die Band glaubt an sich und nimmt ihren Metal (zu) ernst, vielleicht fällt es ihnen deswegen so schwer, das Bild Metal vorzuspielen. Das Video rührt und beantwortet zugleich die Frage, warum es diese Band dann doch nicht geschafft hat. Die Inszenierung muss wenigstens ein wenig beherrscht werden, Fehler wie in diesem Video werden nicht verziehen, auch das Aussehen muss einigermaßen stimmen. Metal ist wie jede Musik, trotz der Konzentration auf die Virtuosität ihrer Spieler, eben doch eine Musik, bei der der Look wichtig ist. Aber das Video birgt einen großen Erkenntniswert in sich, es macht durch das Misslingen den Versuch der Konstruktion deutlich und es vermittelt auch etwas von der Sehnsucht, etwas anderes zu sein und verkörpern zu können, was vielleicht vom Fan besser verstanden wird als vom Musiker, der auf der anderen Seite steht. Auf jeden Fall handelt es sich um ein faszinierendes Beispiel für Metal aus den 1980er Jahren, das mich sofort in diese Zeit zurückkatapultiert und mich viel von ihr verstehen lässt.
Herbert Schwaab
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